Woraus besteht ein Hundebett? – Eine kleine Materialkunde

Diese kleine Materialkunde soll Dir zeigen, welche Materialien in Hundebetten es gibt, damit Du bei der Suche durchblickst. Je nach Beanspruchung des Betts durch den Hund und den Anspruch an die Qualität durch den Halter kommen verschiedene Materialien in Frage.

Zum Beispiel müssen bei einem sehr aktiven Hund, der nicht gerade zimperlich mit seinen Sachen umgeht, robustere Stoffe her. Andere Hunde sind eher sensibel und haben es gern zart, weich und kuschelig. Der Mensch seinerseits legt vielleicht Wert auf besonders umweltverträgliches Material. Außerdem ist auch das Thema Reinigung mit zu berücksichtigen. Das sind eine Menge Aspekte. Also: Let’s go!

Obermaterial

Lass Dich nicht von Farben, lustigen Aufdrucken oder Effekthaschereien durch niedliche Designs blenden. Ob Dein Hund und Du auf Dauer Freude am neuen Bett haben werdet, hängt von dessen Qualität ab.

Stoff

Baumwolle, Kunstfaser (typischerweise Polyacryl oder Polyester) oder Mischgewebe; diese Variante ist die am häufigsten anzutreffende und günstigste. Wenn ein Hundebett mit diesem Obermaterial gefertigt ist, dann sollte Dein Hund nicht zu gerne mit dem Bett spielen und dabei nicht zu kräftig zubeißen oder daran zerren. Oft sind diese Stoffe sehr dünn und reißen leicht. Lies Dir im Zweifel die Bewertungen anderer Käufer durch, ob das Bett robust genug für Deinen Hund ist. Ist das Thema Robustheit nicht kaufentscheidend, hast Du hier die größte Auswahl. Wenn das Stoffbett einen abnehmbaren Bezug hat, dann ist dieser in der Regel auch maschinenwaschbar. Beachte dabei die Pflegehinweise.

Fleece

Liebt Dein Hund es besonders weich? Ist er aber auch ein kleiner Schmutzfink? Dann solltest Du einen Bezug aus Fleece in die engere Auswahl ziehen. Dieser Stoff ist meist aus Polyacryl und leicht zu reinigen, wenn Dein Hund zum Beispiel wieder einmal direkt nach der Gassirunde im Herbst ins warme Bett springt. Oft reicht schon ein Abwischen mit einem feuchten Lappen, um groben Schmutz zu entfernen. In der Regel gehört dieses Material also zu den besonders leicht pflegbaren und ist nicht selten ebenfalls maschinenwaschbar.

Plüsch/Fellimitat

Wir kennen das flauschige Gefühl eines neuen Plüschbezugs. Herrlich! Aber: bevor Du Dich für ein Plüschbett entscheidest, bedenke, ob Dein Hund dafür auch der passende Kandidat ist. In den Faserschlaufen setzen sich gerne Schmutz und Haare fest. Wirft Dein Hund gern mit beidem um sich, musst Du einkalkulieren, dass das Bett deutlich mehr Pflege braucht als eines mit glatterem Obermaterial. Vor dem Waschen in der Maschine muss man diesen Stoff gründlich absaugen, sonst landet eine Menge Dreck in der Waschmaschine. Scheust Du diesen Mehraufwand, sollte Dein Hund eher von der saubereren Sorte und von einer Rasse sein, die nicht allzu sehr haart. Dann wird er den weichen Komfort zu schätzen wissen.

Nylon, Cordura®, Polyurethan

Betten aus robustem Nylon, Cordura® oder Polyurethan sind für die kleinen „Wildsäue“ unter den Hunden. Unsere Perrie hat zum Beispiel die Angewohnheit, sich vor dem Hinlegen erst mehrere Runden in ihrem Bett zu drehen und dabei mit ihren langen Krallen auf dem Polster zu scharren. Ein paar einfache Polster hat sie damit schon ruiniert. Darum braucht sie ein Bett, das aus einem widerstandsfähigen und glatten Stoff gemacht ist. Da sie selbst ein ausreichend dickes Fell hat, muss der Stoff für sie auch nicht so weich und kuschelig sein. Nylonbetten sind meist auch leichter zu reinigen und ebenfalls in der Maschine waschbar. Es gibt unterschiedliche Faserstärken, die durch die Maßeinheit „Denier“ ausgedrückt werden. Ein D steht für das Gewicht in Gramm eines Fadens von 9.000 Metern Länge. Je größer die Zahl am D, desto dicker der Faden und desto robuster der damit gewebte Stoff. „Cordura® 1000D“ steht zum Beispiel für einen Faden, der bei einer Länge von 9.000 Metern 1000g wiegt. Das ist aktuell die stärkste verwendete Faser. Eine Besonderheit an Nylongewebe ist, dass es empfindlich gegen UV-Strahlung ist. Bei der Wahl eines Platzes für Dein Hundebett ziehe dies in Betracht und setze es nicht direktem Sonnenlicht aus.

Kunstleder

Da wir nicht nur Hunde, sondern alle Tiere lieben, empfehlen wir an dieser Stelle keine Obermaterialien aus Echtleder. Kunstleder ist nicht nur kostengünstiger, sondern es muss dafür auch kein Tier seine Haut hergeben. Kunstleder ist von allen Materialien am leichtesten zu reinigen. Zwar kann man es nicht in der Maschine waschen, aber ein feuchter Lappen genügt, um das Bett wieder sauber zu machen. Der Nachteil ist freilich, dass es sich darauf etwas kühl liegt. Im Sommer kann das ein Vorteil sein. In der kalten Jahreszeit dagegen solltest Du eine wärmende Decke unterlegen.

Polsterung

Unter der Oberfläche wird es interessant. Der Kern eines Bettes ist seine Polsterung. Je nach Güte und Dicke variiert bei den angebotenen Produkten auch der Preis sehr stark. Dies sind die gängigsten Füllmaterialien:

Vlies

Die einfachste Form der Polsterung ist ein Polyestervlies. Hierbei handelt es sich um eine Art Filzwatte aus Kunstfasern, die man zu verschieden dicken Matten und Polstern (für Rücken- und Seitenlehnen) verarbeitet. Der Vorteil ist der günstige Preis. Allerdings kommt dieses Material oft in Verbindung mit nicht sehr hochwertigen Obermaterialien zum Einsatz, was dann leichte Beute für die kleinen „Reißwölfe“ ist. Unsere Nala hat schon zwei solcher Betten auf dem Gewissen. Beim Hin- und Herschleudern riss der Stoff ein und sie rupfte das Vliesmaterial heraus. Als wir vom Einkauf zurückkamen, war das Wohnzimmer voller „Konfetti“. Wer billig kauft, kauft… Ihr wisst schon. Der zweite Nachteil von Vlies ist, dass es von vorneherein meist schon sehr dünn ist und sich dann zudem schnell „plattliegt“. Somit bietet es kaum Stützkraft, und der Komfort ist sehr schnell verloren.

Schaumstoffflocken

Flocken aus Schaumstoff gehören auch zu der eher billigen Sorte an Füllmaterial. Sie sind meist etwa 1-2 cm im Durchmesser und finden sich oft in Kissen und Betten aus simpleren Formen. Je nach Menge ist der Liegekomfort aber durchaus als brauchbar zu bezeichnen. Die Streubreite ist allerdings groß, zumal die Flocken naturgemäß nicht in ihre ursprüngliche Form zurückgehen, wenn das Polster entlastet wird. Ein anderer Vorteil ist aber, dass eine „Fetzattacke“, bei der der Hund das Polster beschädigt, keinen Totalschaden darstellen muss. Wenn der Oberstoff noch reparabel ist (z. B. indem man einen Flicken aufnäht), kann man die Flocken meist wieder an ihren alten Platz zurückstopfen.

Styroporkugeln

Anstelle von Schaumstoffflocken gibt es auch günstige Polster aus kleinen Styroporkügelchen. Genauso wie die Flocken haben diese den Nachteil, dass sie sich nicht der Körperform des Hundes anpassen können. Sie sind außerdem schon bald durch die Benutzung „zerbröselt“ und verlieren damit gänzlich ihre Polsterfunktion. Außerdem rascheln sie bei jeder Bewegung.

Schaumstoff

Den besten Kompromiss aus Komfort und Preis stellen Matten und Polster aus Vollschaumstoff dar. Sie sind in der Herstellung aufwendiger, weil sie passend zugeschnitten sind, erlauben aber eine zielgenaue Umsetzung der designten Form. Diese Form behalten die Betten auch, im Gegensatz zu den oben beschriebenen Flocken und Kugeln, die sich innerhalb des umnähten Volumens verschieben können. Manche Hersteller geben für ihre Betten eine Festigkeit bzw. einen Härtegrad der Schaumstoffpolsterung an. So lässt sich passend zum Gewicht des Hundes das beste Polster finden.

Latex

Ähnlich wie Schaumstoff verhält sich Latex. Es springt nach Druckentlastung wieder in seine ursprüngliche Form zurück und ist sehr stabil. Außerdem ist es für Allergiker geeignet. Ansonsten hat es die gleichen Vorzüge wie Schaumstoff, ist allerdings auch sehr teuer.

Organisches Material

Unter dieser Kategorie haben wir in unserer Materialkunde verschiedene Stoffe zusammengefasst, da sie am Markt doch eher selten und nur bei Anbietern ökologischer Produkte zu finden sind. Am häufigsten sind dies Spreu von unterschiedlichen Getreidesorten (Dinkel, Hirse, etc.) oder Getreidekörner selbst (Dinkel) sowie faserige Füllungen aus Hanf oder Baumwolle. Ihr Vorteil ist die umweltschonende Produktion durch den Einsatz natürlicher Ressourcen. Dinkelfüllungen (ob Spreu oder Korn) zeichnen sich durch eine gute Anpassung an den Hundekörper und eine gute Wärmeisolation aus. Der Nachteil ist, dass diese Materialien bedingt durch ihre natürliche Herkunft einem gewissen Zerfall ausgesetzt und nach etwa drei Jahren auszutauschen sind. Außerdem raschelt es, wenn der Hund sich darauf bewegt, was manchen Vierbeiner vielleicht stören mag.

Memory Foam (Viscoschaum)

Seit vielen Jahren schon findet dieser spezielle Schaumstoff bei der Herstellung orthopädischer Matratzen für Menschen Verwendung. Der Clou an diesem Schaumstoff sind die Punktelastizität und seine „Trägheit“, mit der er aus der komprimierten Form „zurückfedert“. So passt sich der Schaumstoff der Körperform und sogar der Körpertemperatur an. Auf diese Weise bietet Memory Foam den besten Liegekomfort durch optimale Druckverteilung und damit durch Entlastung der Gelenke und des Rückens. Natürlich ist dieses High-Tech-Produkt auch die teuerste Variante, aber wenn der Hund bereits Beschwerden mit den Gelenken (z. B. durch Arthrose) hat, ist dieses Polstermaterial das Beste. Selbst wenn Gelenkprobleme noch nicht beim Schlafen stören, „saubequem“ ist es auf jeden Fall. Unsere Sheila und Perrie wollten zum Beispiel aus dem Bett des Hundes von Freunden, bei denen wir einmal zu Besuch waren, gar nicht mehr heraus. Der Grund war, dass es sich um solch ein orthopädisches Bett mit Memory Foam handelte.

Gel-Schaumstoff

Seit Ende 2017 hält das neuartige Material Gel-Schaumstoff Einzug in die Produktion orthopädischer Hundebetten. Sein Vorteil gegenüber dem oben genannten Viscoschaum ist die gleichbleibende Härte bei jeder Temperatur. Während herkömmlicher Memory-Foam bei Kälte härter wird, behält Gel-Schaumstoff seine weiche Eigenschaft bei. Außerdem ist das Material grobporiger und damit atmungsaktiver und temperaturregelnd. Wir haben diese Neuheit übrigens in einem separaten Blogbeitrag über Gel-Hundebetten näher vorgestellt. Schau mal rein.

Wasser

Es gibt auch Wasserbetten für Hunde (z. B. dieses hier). Wasserbetten sind sehr hochwertige Schlafplätze, da sie sich genau wie bei Betten für Menschen perfekt an die Körperform des Hundes anpassen. Wenn es nicht nur purer Luxus sein soll, ist solch ein Bett am besten geeignet für Hunde mit Rheuma, Arthrose oder HD (Hüftgelenksdysplasie). Zwar schreckt der hohe Preis eines solchen Bettes zuerst einmal ab, aber wenn man dem Hund dadurch die Einnahme von Schmerzmitteln ersparen kann, damit er gut schläft, ist dies in jedem Fall eine ernstzunehmende Alternative. Als Nachteil sind hier natürlich außer dem Preis das Gewicht (>100kg Wasserfüllung) und der zusätzliche Bedarf an Strom für die Heizung zu nennen. Und: mancher Hund findet das schaukelige Gefühl beim Betreten des Bettes vielleicht befremdlich und muss sich erst daran gewöhnen.

Recyclingmaterial

Einige Öko-Hersteller bieten Betten mit einer Polsterung aus recycleten Plastikflaschen an (Polyethylen oder Polypropylen). Dabei verarbeitet man die Kunststoffe im Prozess der Wiederherstellung zu Fasern und dann zu einem watteartigen Stoff. Diese Stoffe sind aktuell noch die Exoten auf dem Markt. In ihrer Natur liegt aber, dass sie nicht die gleiche optimale Stützfunktion bieten können, wie Viscoschaum oder Wasser.

Hat Dir diese Materialkunde geholfen?

Wir hoffen, dass Dir diese Materialkunde dabei geholfen hat, ein bisschen besser durchzublicken, was sich in und an einem Hundebett findet. Vielleicht kennst Du ja sogar noch andere Materialien, die wir hier nicht erwähnt haben, und die es wert sind, aufgenommen zu werden? Dann hinterlasse uns doch einen Kommentar!

 

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